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Der Wald wartet nicht

Udo Gonsirowski kämpft seit Jahrzehnten für Naturschutz – und stößt an Grenzen

WA 07.04.2026

Er gibt nicht auf: Udo Gonsirwoski kämpft jetzt im Umweltausschuss für den Naturschutz in Hamm. © Louise Ahlers
Er gibt nicht auf: Udo Gonsirwoski kämpft jetzt im Umweltausschuss für den Naturschutz in Hamm. © Louise Ahlers

Werries – Udo Gonsirowski engagiert sich schon jahrelang im Naturschutz – als Vorsitzender der Naturfreunde Ortsgruppe Hamm-Werries und im Beirat der unteren Naturschutzbehörde in Hamm. Im Beirat lernte er allerdings die Grenzen des Naturschutzes am eigenen Leib kennen. 2025 schlug er einen neuen Weg ein – in der Hoffnung, dort mehr ausrichten zu können.

Im Umweltausschuss der Stadt Hamm hofft Gonsirowski jetzt auf Gehör: Dort ist er seit der Kommunalwahl 2025 Mitglied. Noch sei der Zeitraum für ihn zu kurz, um sagen zu können, ob er dort gehört werde. „Das wird sich zeigen“, sagt Gonsirowski. Sein Ziel sei es, hier gemeinsam mit dem NABU Umwelt- und Naturschutzthemen einzubringen.

Ein Thema, das ihn nie losließ, war und ist der Umweltschutz. Im Jahr 2000 trat er bei den Naturfreunden Ortsgruppe Hamm-Werries bei. Am 8. März 2020 übernahm er die Nachfolge von seinem Kollegen Karl-Heinz Wolters als Vorsitzender des Vereins. Dieses Jahr überlässt er den Spitzenposten seinem vorherigen Stellvertreter Robert Biermann und tauscht seine Position mit ihm.

Gonsirowski kümmerte sich von 2016 bis 2019 um den Bau der Schutzhütte „Zum Eisernen Gustav“ und um die Errichtung des Naturlehrpfads in der Geithe, der im September 2024 eröffnet wurde. Seit 2021 ist er Mitglied beim Nabu. Im März desselben Jahres wurde er Vorsitzender des Beirats bei der Unteren Naturschutzbehörde in Hamm, dem er bis zur Kommunalwahl 2025 angehörte. 2025 wurde ihm sogar die Stadtbezirksmedaille des Stadtbezirks Hamm-Uentrop verliehen.

Den Zugang zur Ortsgruppe der Naturfreunde stellte für ihn damals der enge Kontakt zu seinem Vorgänger Karl-Heinz Wolters her. So kam es wie von selbst, dass auch Gonsirowskis Interesse und Engagement für den Naturschutz mit der Zeit immer weiter wuchsen. Insbesondere das Engagement der Ortsgruppe für das Naturschutzgebiet des Geithewalds inspirierte ihn. „Uns hat die Bewirtschaftung des Waldes gestört, daher haben wir uns darum gekümmert“, sagt er.

Das Engagement im Beirat bei der Unteren Naturschutzbehörde hingegen verlief für ihn eher „enttäuschend“. Hier habe er die Grenzen des Naturschutzes kennengelernt. Immer wieder habe es Spannungen mit der Verwaltung gegeben. „Wir wollten dort eigentlich mit insgesamt vier Ortsgruppenmitgliedern einen guten Weg einschlagen“, sagt er und führt weiter aus: „Die Sitzungen waren alle nett, aber was ich nie verstanden habe: Da sitzen insgesamt 16 Vertreter und Fachleute aus Natur- und Umweltverbänden, aber das Gremium wurde nicht richtig genutzt. Das hatten wir uns anders vorgestellt. Wir wollten es als offenes Gesprächsgremium nutzen. Zwar waren alle Gespräche einvernehmlich, aber vieles wurde immer mit der Begründung abgeblockt, dass wir nicht zuständig seien.“ Der Beirat ist beratend tätig, er hat keine Entscheidungsgewalt.

„Es wurden bei den Tagungen immer die Themen behandelt, die aktuell wichtig seien. Aber wer entscheidet denn, was wichtig ist? Wir wussten ja gar nicht, welche Themen es gar nicht ins Tagungsprogramm geschafft haben“, sagt Gonsirowski. Oft sei unter den vorgestellten „wichtigen Angelegenheiten“ das für die Naturschützer tatsächlich Relevante gar nicht aufgetaucht.

Soweit man den Beirat habe nutzen müssen, sei das passiert, aber häufig fühlte sich Gonsirowski umgangen. Er habe zwar Verständnis dafür, dass es bei rund vier Tagungen im Jahr schwierig sei, immer alles zu besprechen, hätte aber gerne mehr geholfen. Auch Gonsirowskis Kollege und Nachfolger Robert Biermann stimmt ihm zu: „Die Formulierung ‚umgangen‘ finde ich schon angemessen“, sagt er. Die Spannungen kamen immer mal wieder zur Sprache, doch wirklich zufriedenstellend war die Zusammenarbeit nicht. Auch der NABU-Vorsitzende Jürgen Hundorf äußerte sich bereits in der Zeitschrift „Naturschutz in Hamm“ zu den Schwierigkeiten im Hammer Umweltschutz. Gonsirowski verließ letztlich den Beirat: „Dafür war die Zeit zu schade, wir sind mit unseren Themen dort nicht angekommen“, sagt er.


Geboren 1953 in Hamm-Mitte, arbeitete Gonsirowski als Industriekaufmann bei den Hammer Stadtwerken. 1984 trat er der SPD bei. 1999 legte er dort aufgrund der Erkrankung seiner ersten Frau alle Ämter nieder.LOUISA AHLERS

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